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ORF-Radioclub: Die Zukunft ist weiblich ...
 

Die Zukunft ist weiblich. Die Technik auch. Eine Sendereihe des ORF Radioclubs.  Junge Frauen in technischen Lehrberufen waren zu Gast beim ORF Radioclub. Wie sehen sie ihren Beruf ? Wie sind ihre Zukunftschancen? Welche Voraussetzungen sind notwendig? Einige Interviews findest du unter Biografien (Rita Theurl, Birgit Ess).

 


Interview mit Katharina Hagspiel
 


Katharina Hagspiel war 2000/2001 Schulsprecherin an der HTL-Rankweil. Sie maturierte im Ausbildungszweig Telekommunikation. Im folgenden Interview erzählt sie von Ihren Problemen und Chancen in einer technischen Ausbildung. Sie war übrigens das einzige Mädchen in ihrer Klasse.

 

Katharina, du bist Schulsprecherin an der HTL-Rankweil. Wie kommt man an einer Schule mit über 90% Jungenanteil in diese Position?

Katharina

Ich stellte mich der Wahl und wurde gewählt. Ich nehme mal an, dass ich überzeugender aufgetreten bin und einen besseren Eindruck gemacht habe als meine Gegenkandidaten.

Was sind deine Aufgaben als Schulsprecherin?

Meine Aufgabe ist hauptsächlich die Vertretung der Schüler. Ich gehe auf alle Sitzungen die rund um die Schule stattfinden, ob das SGA-, Elternvereins- oder Kuratoriumssitzungen sind. Außerdem wurde ich in diesem Schuljahr aktiv in Werbekampagnen für mehr Mädchen in der Technik einbezogen.

Bekommst du gelegentlich von deinen Mitschülern noch Vorurteile zu hören wie z.B. "Mädchen haben von Technik keine Ahnung ..."?

Ja, diese Vorurteile kommen ab und zu wieder einmal auf. Vor allem hört man Bemerkungen, wie "Das ist nur geraten" oder ähnliche dann, wenn man etwas weiß. Ich glaube, Mädchen in der Technik nagen ein wenig am Selbstwertgefühl von manchen Jungs.

Kannst du dich an ein Beispiel erinnern, wo du während deiner Ausbildung ein Problem mit "männlichen Vorurteilen" bekommen hast?

Vorurteil -  an eine Sache kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wir mussten einmal ein Werkstück fertigen, dass dann ganz genau abgemessen und danach beurteilt wurde. Wir wurden der Reihe nach aufgerufen und mussten nach vorne zum Lehrer gehen. Ich ging nach vorne und wurde mit einer 1-2 beurteilt, weil ein Maß nicht ganz genau stimmte. Ein Mitschüler, der sein Werkstück verhauen hatte, fragte mich, ob er meines haben kann, um es dem Lehrer zu zeigen. Ich gab es ihm und er wurde mit einer 1 beurteilt. Außerdem sagte der Lehrer, dass er noch nie so ein gutes Werkstück gesehen hat. Diese Tatsache hat mich natürlich etwas gekränkt, weil ein anderer mit meiner Arbeit besser benotet wurde als ich. Natürlich kamen außerdem manchmal blöde Kommentare, aber man lernt dadurch durchzubeißen.

Fällt dir vielleicht dazu auch ein Positivbeispiel ein?

Es war einmal, da ist etwas irgendwo in einem Spalt verhängt, leider weiß ich nicht mehr so genau, was es war. Jedenfalls hatten alle zu große Finger um in diesen Spalt zu gelangen. Nur ich kam hinein und konnte das Teil herausziehen. Der Lehrer sagte dann, dass Frauen einen eindeutigen Vorteil in der Elektronik haben. Frauen haben eine bessere Feinmotorik und feinere Finger und können daher auch viel feinere Arbeiten machen, bei denen ein Mann keine Chance hat.

Beschäftigst du dich auch in deiner Freizeit mit Technik, Computern, ...?

Ich muss mich zeitweise zwangsläufig in der Freizeit damit beschäftigen, allein schon wegen der Schule. Auch den Computer benutze ich regelmäßig. Allerdings bin ich nicht der typische Bastler. Ich bevorzuge das Denkerische und Organisatorische.

Du hast im Rahmen deiner Ausbildung zwei Fachpraktikas in Vorarlberger Betrieben während deiner Sommerferien absolviert. Was hast du dort für Erfahrungen gemacht?

Ich habe 4 Mal in den Sommerferien gearbeitet und kann durchaus von positiven Erfahrungen sprechen. Ich bekam immer problemlos einen Job (eine Bewerbung pro Jahr genügte und ich wurde immer genommen) und wurde freundlich aufgenommen. Außerdem war ich immer so etwas wie eine Henne im Korb - im positiven Sinn.

Du bist mittlerweile im Abschlussjahrgang der Elektronikabteilung, Fachrichtung Telekommunikation. Wie hat dir deine Ausbildung gefallen?

Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, diese Ausbildung gemacht zu haben. Für mich war es sicherlich die beste Lösung.

Was wirst du nach der Matura machen?

Ich möchte zuerst einmal anfangen zu arbeiten. In der Zukunft stehen mir dann immer noch alle Türen offen.

Wie beurteilst du deine Jobchancen?

Ich glaube, dass meine Jobaussichten sehr gut sind. Vor allem beim Jubiläum unserer Schule (Anmerkung: 25 Jahre Elektronik-, 32 Jahre Bauabteilung) habe ich einige Kontakte geknüpft.

Welche Ratschläge würdest du einem Mädchen geben, das eine technische Ausbildung an der HTL machen möchte?

Ich kann nur sagen, dass jedes Mädchen so bleiben soll, wie sie ist und sich nicht von den Jungs unterkriegen lassen soll. Der Rest ergibt sich dann ganz von selbst.

Recht vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

 

Das Interview führte Mag. Hartwig Vogel, Lehrer an der HTL Rankweil.